3.6 Entwurf der Digitalisierungsworkflows

3.6.1 3D-Digitalisierung vorbereiteter Tonteile

Zur Reproduktion werden Tonteile aus Gipsformen geformt, zur vollständigen Figur zusammengesetzt, manuell überarbeitet und entlang geeigneter Trennlinien hinterschneidungsfrei segmentiert. Diese Segmente werden anschließend mittels Streifenlichtprojektion (SLP) digitalisiert.

Abb. 19: Eine Frau scannt ein Tonteil mit dem Streifenlichtscanner SmartScan von AICON 3D Systems (Urheber:in: photothek.net / Thomas Imo, Anbieter:in: SPK, mit freundlicher Genehmigung, https://www.preussischer-kulturbesitz.de/schwerpunkte/kulturgutschutz/alle-news-kulturgutschutz/news-detail-kulturgutschutz/artikel/2016/05/20/projekt-zedikum-digitalisiert-schaetze-der-museumsinsel-in-3d.html)

Für eine hochwertige Erfassung ist die sorgfältige Vorbereitung der Tonteile entscheidend: Die Oberflächen müssen vollständig getrocknet sowie frei von Staub und Fingerabdrücken sein – eine Reinigung mit Druckluft oder weichen Pinseln genügt. Um Reflexionen zu vermeiden, kann bei Bedarf ein temporäres Mattierungsspray auf die Tonteile aufgetragen werden. Da die Tonteile nicht weiterverwendet werden, ist kein Entfernen des Sprays erforderlich. Bei der Digitalisierung originaler Porzellanfiguren ist der Einsatz von Mattierungssprays jedoch strikt ausgeschlossen, da diese die Oberfläche chemisch oder physisch beeinträchtigen könnten.

Während des Scans wird jedes Objekt auf einem neutralgrauen, matten Drehteller positioniert, um Glanz und Fremdreflexe zu minimieren. Die Umgebung sollte abgedunkelt sein; für eine gleichmäßige Ausleuchtung sorgen Softboxen oder diffuses Licht. Optional verbessern Polarisationsfilter die Reflexkontrolle zusätzlich. Diese Anforderungen gelten nicht nur für farbige Porzellanfiguren, sondern auch für die Digitalisierung farbloser Tonteile, da eine reflexfreie Umgebung die Präzision der Geometrieerfassung wesentlich verbessert.

Dank der gezielten Segmentierung lassen sich die vorbereiteten Tonteile ohne Mehrfachscans hochpräzise erfassen.

3.6.2 Fotografische Dokumentation der Farbgestaltung

Für die originalgetreue Reproduktion Meißner Porzellanfiguren ist die präzise Erfassung der Farbgestaltung unerlässlich. Ziel ist die Bereitstellung farbverbindlicher Bildvorlagen, die Dekorationsmalern als Grundlage für die manuelle Nachbemalung dienen.

Die Aufnahmen erfolgen unter kontrollierten Bedingungen: Die Figur wird auf einem neutralgrauen, nicht reflektierenden Hintergrund positioniert, diffus ausgeleuchtet (z. B. mit Softboxen oder Polarisationsfiltern) und aus allen relevanten Perspektiven fotografiert. Ein standardisiertes Farbtarget (z. B. X-Rite ColorChecker) wird integriert, um die spätere Farbkalibrierung zu ermöglichen. Störlicht wird durch Abdunkelung der Umgebung vermieden. Die Bilder werden im unkomprimierten TIFF-Format mit eingebettetem ICC-Profil aufgenommen, um Farbtreue und Nachvollziehbarkeit sicherzustellen.

Ergänzend werden für jedes Dekorelement (z. B. Federn, Augenringe, Schnabelränder, Blätter) die verwendeten Farbreferenzen notiert. Diese verweisen auf standardisierte Mischungsverhältnisse pigmentierter Oxide oder Edelmetalle, die parallel dokumentiert werden. So bleibt eine farblich präzise Rekonstruktion auch bei künftigen Änderungen der Pigmentzusammensetzung gewährleistet.

Alle Bild- und Farbdaten fließen in eine strukturierte Dokumentation ein – als Grundlage für die Bemalung und zur Sicherung der farblichen Authentizität.

Weitere Informationen zur Digitalisierung von Meißner Porzellanfiguren: