Die Herstellung von Meißner Porzellanfiguren, wie sie heute in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen praktiziert wird, basiert auf Techniken, die im 18. Jahrhundert entwickelt wurden. Ein anschauliches Beispiel für den historischen wie aktuellen Herstellungsprozess bietet die Porzellanfigur des Kakadus, die 1734 von Johann Joachim Kändler (1706–1775) entworfen wurde.

Kändler war ab 1731 als Hofbildhauer und Modelleur in der Manufaktur tätig und wurde 1733 zum „Hofmodelleur“ ernannt – der höchsten künstlerischen Position. Er war maßgeblich verantwortlich für die Einführung neuer stilistischer Ausdrucksformen und für die gestalterische Entwicklung des barocken Porzellans. Als künstlerischer Leiter der Modellabteilung entwarf er nicht nur eine Vielzahl ikonischer Figuren (darunter Tiere, Allegorien und höfische Szenen), sondern prägte auch technische Verfahren wie die mehrteilige Formgebung, die bis heute bei der Herstellung komplexer Figuren wie dem Kakadu angewendet wird.
Der Fertigungsprozess beginnt mit der Modellierung der Figur. In der modernen Werkstatt wird die Form des Kakadus in plastischer Arbeit erschaffen, häufig aus Ton oder ähnlichen Werkstoffen, die es den Künstler:innen ermöglichen, jedes Detail präzise zu gestalten. Diese Modellarbeit bildet die Grundlage für die späteren Gipsformen, die für die Herstellung unentbehrlich sind. Für komplexe Figuren wie den Kakadu werden die Modelle in mehrere Einzelteile zerschnitten – ein Vorgang, der auch heute von Hand ausgeführt wird. Der Kakadu besteht aus rund 13 Einzelteilen, die später wieder zusammengefügt werden.

Im Anschluss werden aus den zerschnittenen Tonteilen Gipsformen gefertigt.

Diese Formen sind im historischen Formenarchiv der Manufaktur aufbewahrt. Da Gipsformen nach wenigen Jahren porös werden und nach 10––30 Gießvorgängen abgenutzt sind, gewinnen ihre Digitalisierung und digitale Archivierung zunehmend an Bedeutung.

Sobald die Gipsformen fertiggestellt sind, wird flüssige Porzellanmasse (auch Porzellanschlicker genannt) eingefüllt. Der Gießprozess erfolgt präzise, um eine gleichmäßige Wandstärke zu erreichen. Nachdem der Schlicker die gewünschte Dicke hat, wird der Überschuss abgegossen.


Die getrockneten Teile werden anschließend von Hand zusammengesetzt, wobei Kanten geglättet und Oberflächen retuschiert werden. Dieser Schritt verdeutlicht, dass für eine digitale Reproduktion neben der Geometrie auch Informationen zu Oberflächenstrukturen und Passgenauigkeit dokumentiert werden müssen.
Es folgt der sogenannte Schrühbrand, bei dem die Figur bei Temperaturen von etwa 900–1000 °C gehärtet wird. Der Schrühbrand macht das Porzellan stabil und bereitet es für die weitere Bearbeitung vor.

Nach dem Schrühbrand wird die Figur bemalt und glasiert. Die Bemalung ist eine eigenständige Fertigungstechnik und erfordert die Dokumentation von Farbreferenzen und Dekor, um sie digital reproduzierbar zu machen.

Der abschließende Glasurbrand erfolgt bei 1200–1400 °C, bei dem die Figur ihre glänzende Oberfläche erhält und die Glasur ihre volle Wirkung entfaltet. Nach dem Brand erfolgen letzte Nacharbeiten, um die Figur auf den hohen Standard der Meißner Manufaktur zu bringen.
Die Porzellanfigur des Kakadus, 1734 vollendet und heute in der Dresdner Porzellansammlung unter der Inventarnummer „PE 10“ dokumentiert, steht beispielhaft für die traditionsreiche Kunstfertigkeit der Manufaktur. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass das Wissen um den Herstellungsprozess nicht nur für die kunsthistorische Forschung, sondern auch für die digitale Archivierung und Reproduktion unverzichtbar ist.
Weitere Informationen zu Herstellung von Meißner Porzellan: