Das Projekt „Die Deutschen Inschriften“ sammelt und ediert lateinische und deutsche Inschriften des Mittelalters und der Frühen Neuzeit bis 1650 aus Deutschland, Österreich und Südtirol. Die Digitalisierung der Edition wird in einer Kooperation der Universität Münster und der Digitalen Akademie Mainz durch das Projekt „Deutsche Inschriften Online“ vorangetrieben. Bisher waren die in Epigraf gespeicherten Daten nur innerhalb des Projekts „Die Deutschen Inschriften“ abrufbar und nutzbar. Um strukturierte Forschungsdaten publizieren zu können, wurde in der Anwendung Epigraf – eine im Projekt entwickelte Forschungssoftware – ein Modul zur Generierung von RDF-Triples implementiert. Durch die Fördermaßnahme wurde ein umfangreicher Teil der Daten aus dem Deutsche-Inschriften-Projekt erstmals für digitale Forschungsansätze außerhalb des Projekts nutzbar gemacht.
Die Umsetzung gliedert sich in drei Arbeitspakete: die Konfiguration und Implementierung des Triple-Generators in Epigraf, die Publikation der Daten im Cultural Knowledge Graph, sowie eine Beispielanalyse mit den eingespielten Daten. Alle geplanten Arbeitspakete wurden vollständig umgesetzt.
Insgesamt wurden achtzehn Presets für die Triple-Konfiguration in Epigraf angelegt. Die erzeugten Triples folgen dem Culture Graph Interchange Format (CGIF) und enthalten Identifikatoren (IRIs, die in das Epigraf-Portal auflösen) sowie Titel von 31.197 Inschriftenartikeln (siehe Abbildung 1). Insgesamt sind 16.170 Artikel mit Bildern verlinkt. Darüber hinaus sind Objekttypen mit über 300 distinkten Wikidata-Entitäten sowie die jeweiligen Bearbeitungsgebiete der Bestände und die Entstehungszeiträume der Inschriften ausgezeichnet. Weitere Vokabulare erfordern eine schrittweise manuelle Redaktion, die für die kommenden Jahren geplant ist

Die Daten wurden über Dumps in den Cultural Knowledge Graph eingespielt und im Epigraf-Portal dokumentiert. Vorausgegangen ist eine arbeitsintensive Kumulierung der Artikel und Register aus dem DIO-Portal mit einer Reihe manueller Überarbeitungen sowie einer Integration in bereits vorstrukturierten Daten aus der Epigraf-Datenbank. Insgesamt konnten 78 Bände des Projekts aufbereitet werden. Das Ergebnis steht über Epigraf zur Online-Recherche sowie über die Epigraf-API erstmals öffentlich zur Verfügung.
Damit wurde eine Grundlage geschaffen, um die Dumps zukünftig sukzessive zu erweitern.
Die Nützlichkeit von Daten bemisst sich daran, wofür man sie verwenden kann. Im letzten Schritt der Maßnahme wurden deshalb zwei Beispielanalysen inklusive Visualisierungen durchgeführt und Materialien für zukünftige Nutzende erstellt. Grundlage ist der SPARQL-Endpunkt des Culture Knowledge Graph. Im Ergebnis liegen zwei Tutorials vor.
Ein Tutorial zur Auswertung der zeitlichen Verteilung des Bestands (siehe Abb. 2) findet sich im Facepager-Wiki unter Getting Started with Inscription Data in the CKG.
Die Visualisierung wurde mit dem frei verwendbaren Tool RAWGraphs 2.0 durchgeführt.
Die Arbeit mit Identifikatoren zur Subgruppenanalyse demonstriert eine mehrstufige Auswertung, bei der Beschriftungen der Datenpunkte zusätzlich von Wikidata abgefragt werden. Das Getting Started with Inscription Data in the CKG and Wikidata baut auf Facepager-Presets auf, die in einer früheren Fördermaßnahme von NFDI4Culture entwickelt wurden. Facepager ist ein Programm zur Datenerhebung mittels APIs und steht frei zur Verfügung.

Erstmals stehen strukturierte Metadaten aus den Editionen des Projekts „Die Deutschen Inschriften“ nicht nur öffentlich zur Verfügung, sondern sind in einem gemeinsamen Datenraum mit anderen Mittelalter- sowie Inschriftenprojekten eingetreten. Die Aufbereitung der heterogenen und über mehrere Jahrzehnte aufgebauten Datenbestände erweist sich unter anderem wegen der manuellen Redaktionsprozesse als aufwendig. In der Fördermaßnahme wurden erste Modellierungen und Auszeichnungen mit Normdatenvokabularen vorgenommen. Schon jetzt zeigt sich in den durchgeführten Datenanalysen, dass eine hohe Datenqualität erreicht werden kann. Die Bestände werden deshalb zukünftig schrittweise erweitert werden.
Paula Dicke und Jakob Jünger