2.3 ConedaKOR-StatServ: Entwicklung eines nachhaltigen, statischen Services für ConedaKOR-Instanzen

1. ConedaKOR: Entwicklung einer nachhaltigen Software für das Kulturerbe

ConedaKOR ist ein graphbasiertes Datenbanksystem für Objekte des kulturellen Erbes, das seit 2009 in Zusammenarbeit mit mehreren Forschungsprojekten (Schepp et al. 2025) entwickelt wurde und als Open-Source-Software verfügbar ist. Die Software leistet die Verwaltung und Recherche von Bild- und Metadaten auf einer gemeinsamen webbasierten Oberfläche und berücksichtigt diverse Entwicklungen aus verschiedenen Strömungen der Digital Humanities: Wissensgraph-Datenmodell, API-basierte Dienste, kollaborative Bearbeitungsumgebung usw. Die Verwendung von Standard-Web- und Datenbanktechnologien, wie z. B. einer relationalen Datenbank, über die das Graphdatenmodell intern abgebildet wird, ermöglicht eine einfache Wartung, was von großem Vorteil beim Hosting in Rechenzentren von Universitäten ist (Klammt et al. 2022). Die Einführung eines Software-as-a-Service-Modells als Teil der Infrastruktur DARIAH-DE war ein wichtiger Schritt in Richtung eines niedrigschwelligen Einsatzes von ConedaKOR und dient in der Form seit einigen Jahren dem Akademievorhaben „Bild- und Textwörterbuch des Klassischen Maya“ zur Verwaltung und freien Verfügbarmachung seines umfangreichen Bildkonvoluts.

Der Einsatz von ConedaKOR in diversen Forschungsprojekten der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass die zeitliche Befristung der Vorhaben eine große Herausforderung für den nachhaltigen Betrieb und die Bereitstellung eines leistungsfähigen Datenbanksystems und seiner Inhalte darstellt. Kleine Forschungseinrichtungen, die sich in den letzten Jahren verstärkt an der Durchführung digitaler Projekte beteiligt haben, stehen dabei vor besonderen Herausforderungen, vor allem dann, wenn sammlungserhaltende Aufgaben und die digitale Bereitstellung der eigenen Bestände nicht zu ihren Kernaufgaben gehören. Und so ist mit dem Auslaufen der Förderung den meisten Instituten eine dauerhafte Aufrechterhaltung eines dynamischen Datenbanksystems mit seinen infrastrukturellen Anforderungen schier nicht möglich. Dieser Situation müssen sich temporäre Vorhaben, deren Ressourcen limitiert sind, die aber dennoch ein großes Interesse an einem Nachleben ihrer Daten haben, von Beginn an aktiv widmen.

Ein Lösungsansatz, mit dem dieser Herausforderung begegnet werden kann, ist eine kontrollierte Transformation oder „graceful degradation” (Nowviskie/Porter 2009) zu einer statischen Website, die als Software-Funktion implementiert ist. Im vorliegenden Projekt wurde dieser Weg der Implementierung eines nachhaltigen Services gegangen, bei dem Komponenten eingespart werden, die nach der Projektlaufzeit nicht mehr benötigt werden. Ab Version 5.1.0 verfügt ConedaKOR über einen integrierten statischen Modus, der eine nahtlose Konvertierung ohne Beeinträchtigung von Daten, Inhalten oder Benutzererfahrung ermöglicht. Das hat eine effiziente Bereitstellung von Daten, das Auflösen von Softwareabhängigkeiten und Ressourcenentlastung zur Folge.

2. Entwurf und Umsetzung des statischen Modus

Bei ConedaKOR sind die Ebenen für Daten und Schnittstellen getrennt. Das serverbasierte Backend behielt seine bewährte Ruby-on-Rails-Konfiguration bei, während das Frontend und seine Logik vollständig auf den Client verlagert wurden. Dies ist ein beliebter Ansatz geworden, um Aufgaben im Code zu trennen und die zunehmende Rechenkapazität der Clients zu nutzen. Auf der Grundlage dieses „API-first”-Ansatzes konnte die statische Umgebung implementiert werden, indem JSON-Antworten in JSON-Dateien gespeichert wurden, die das Frontend anstelle der JSON-API laden konnte (Abb. 1). Eine geeignete Zwischenschicht im Frontend lädt diese Dateien und formt die Daten so um, dass sie mit dem Client kompatibel sind.

Abbildung 1:Schematische Darstellung ConedaKOR.

Da im statischen Modus keine Datenbank verfügbar ist, müssen hierfür einige gängige Funktionen ersetzt werden. Zunächst muss der Client die gesamte Suchlast ausführen. Um dies zu ermöglichen, wurde eine kleine zusammenfassende JSON-Datei verwendet, die ausschließlich die durchsuchbaren Daten enthält. Tests mit Clients ergaben eine bemerkenswerte Geschwindigkeit und Gesamtleistung, selbst auf mobilen Geräten (Tests mit ~300.000 Datensätzen und einem Pixel 4a-Smartphone lieferten Suchergebnisse in deutlich weniger als einer Sekunde).

Eine weitere gängige Funktion in komplexen Datenbanksystemen, die in statischen Websites nicht bereitgestellt werden kann, ist eine umfassende Rechteverwaltung. Daher wird die statische Version von ConedaKOR aus der Perspektive eines/r definierten Benutzers/in und dessen/deren Berechtigungen erstellt, was eine fein abgestufte Auswahl von zu veröffentlichenden Inhalten und/oder Bereitstellung mehrerer Umgebungen ermöglicht. Schnittstellen wie ConedaKORs OAI-PMH sind im statischen Modus nicht verfügbar, werden jedoch auch nicht benötigt, wenn das Harvesting vor dem Eintritt in den statischen Modus erfolgt. Ein großer Vorteil des gewählten Ansatzes ist die Möglichkeit der Reversibilität, der Rückkehr zum nicht-statischen Modus: So lange alle Abhängigkeiten verfügbar sind, können die statischen JSON-Dateien entfernt werden und das Frontend verwendet wieder die servergestützte JSON-API. So kann die vollständige ConedaKOR-Anwendung aus ihrer statischen Konvertierung wiederhergestellt werden.

3. Forschungsdatenmanagement

Alle im Vorhaben erstellten Produkte wurden gemäß den FAIR-Prinzipien frei zugänglich, offen lizenziert, dokumentiert und in nachnutzbarer Form in vertrauenswürdigen Repositorien veröffentlicht. Zusätzlich wurden die Produkte über Plattformen mit großer Reichweite öffentlich bereitgestellt, um eine möglichst breite Nutzung zu erreichen. Die den Produkten zugrunde liegenden Daten werden darüber hinaus im Archivspeicher des IEG archiviert, um eine Langzeitzugänglichkeit zu gewährleisten.

4. Zeitrahmen

Bewilligung: 17.12.2024
Durchführung: 01.01.–17.12.2025

5. Partner, Durchführende

Das Projekt wurde vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte Mainz (IEG) in Zusammenarbeit mit der Firma Wendig OU (Estland) durchgeführt. Die Projektleitung lag bei Thorsten Wübbena (IEG).

Referenzen

  • Klammt, Anne / Schepp, Moritz / Schlauch, Deborah / Wübbena, Thorsten: ConedaKOR Tutorials. TIB AV-Portal, 2022. https://av.tib.eu/series/1367
  • Nowviskie, Bethany / Porter Dot: “Graceful Degradation: Managing Digital Projects in Times of Transition and Decline.” Paper presented at ADHO 2009 – UMD College Park, 2009. https://dh-abstracts.library.cmu.edu/works/1099
  • Schepp, Moritz / Wübbena, Thorsten / Park, Yohan / Fraixedes, Ivan / Li, Zuoyue: ConedaKOR: v5.1.1., released December 17, 2025. https://doi.org/10.5281/zenodo.17957985

Thorsten Wübbena, Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz
Moritz Schepp